Gerade scheint der Teil zu beginnen, in dem ich nicht mehr zwei Leben führen muss.
Gerade scheint der Teil zu beginnen, in dem ich nicht mehr zwei Leben führen muss.
Gerade scheint der Teil zu beginnen, in dem ich nicht mehr zwei Leben führen muss.
Ich werde bald 50.
Und während ich diese Zeilen schreibe, begreife ich etwas über meine eigene Geschichte, das eigentlich seit Jahrzehnten vor meiner Nase liegt.
Ich dachte lange, mein Weg hätte mich irgendwann vom Sport in eine andere Welt geführt. Vom Leistungssport zum Coaching, vom Körper zum Bewusstsein und irgendwann immer tiefer in die Spiritualität und die schamanische Arbeit.
Wenn ich heute zurückblicke, merke ich, dass diese Geschichte nicht stimmt.
Diese Welten waren schon sehr früh gleichzeitig da. Ich habe nur eine davon gezeigt.
Eigentlich beginnt alles viel früher
Als Kind war mir die Natur unglaublich wichtig. Ich liebte Pflanzen, zog sie selbst gross, kümmerte mich um sie und sprach mit ihnen. Ich war stark mit Naturgeistern verbunden und nahm Dinge wahr, für die ich damals keine Erklärung brauchte.
Es war einfach meine Welt.
Und gerade erst wurde mir eine Geschichte aus dieser Zeit wieder erzählt.
Ich war fünf Jahre alt und badete mit meinem zwei Jahre jüngeren Bruder. Es war der Abend vor Weihnachten und wir hatten unserer Mutter versprochen, die Haare nicht nass zu machen. Natürlich wurden sie nass.
Also wollte ich das Problem lösen.
Ich wusste bereits, dass man einen Föhn nicht im Badezimmer einstecken darf. Warum genau, hatte ich offensichtlich noch nicht verstanden. Also holte ich ein Verlängerungskabel aus dem Elternschlafzimmer, steckte dort den Föhn ein, stieg zurück in die Badewanne und begann meinem Bruder die Haare zu föhnen.
Dann ging alles sehr schnell.
Es knallte wie ein Maschinengewehr aus dem Föhn. Mich schleuderte es aus der Badewanne und mehrere Meter durch das Badezimmer bis gegen die Tür. Mein Bruder blieb in der Wanne liegen. Er zitterte, seine Augen waren nur noch weiss und der Föhn lief weiter im Wasser.
Ich rannte raus und schrie:
„Mum, Tobi ist tot.“
Meine Mutter stürmte ins Badezimmer und wollte ihn aus der Wanne holen. Auch sie bekam einen Stromschlag. Erst da sah sie den Föhn und zog den Stecker.
Eine Kollegin meiner Mutter war an diesem Abend bei uns zu Besuch. Sie rannte aus der Wohnung und holte einen Nachbarn aus dem Haus, der Arzt war. Er reanimierte meinen Bruder.
Nach der Geschichte, wie sie mir überliefert wurde, war er ungefähr drei Minuten klinisch tot.
Er verbrachte danach mehrere Tage im Spital.
Und ich?
Mir ging es bestens.
Niemand konnte sich erklären, weshalb es mich aus der Badewanne geschleudert hatte und ich praktisch unversehrt geblieben war.
Die Geschichte wurde später sogar zur Aufklärung über die Gefahren von Strom und Wasser weitererzählt. Irgendwann wurde sie Jahre später ausgerechnet mir erzählt, ohne dass mein Gegenüber wusste, wer da vor ihm sass.
Ich hörte meine eigene Geschichte und die meines Bruders.
Was damals genau passiert ist und weshalb es für mich so anders ausging, weiss ich nicht. Ich möchte heute auch keine Erklärung hineininterpretieren, die ich nicht habe.
Es ist einfach eine dieser Geschichten meines Lebens.
Dann kam die Schule.
Ich erinnere mich noch gut an diese Betonbunker, in denen ich plötzlich einen grossen Teil meiner Tage verbringen sollte. Das Schulsystem, diese Gebäude und das Funktionieren darin entfernten mich immer weiter von dem, was vorher selbstverständlich gewesen war.
Das Sensitive bekam dort keinen Platz.
Es verschwand nicht einfach von heute auf morgen. Ich glaube, ich hörte mit der Zeit auf, darauf zu achten. Andere Dinge wurden wichtiger und irgendwann war vieles davon weg.
Dafür bekam eine andere Seite von mir immer mehr Raum.
Mit sechs Jahren begann ich mit Judo bei meinem Vater als Trainer. Mit zwölf durfte ich endlich mit Ju-Jitsu starten. Schon als Jugendlicher übernahm ich Lektionen und stand selbst als Trainer auf der Matte.
Mit 14 kam meine erste Knieoperation. Der Arzt meinte damals, ich hätte Arthrose in den Gelenken wie ein 80-jähriger Mann und es wäre wohl besser, wenn ich keinen Sport mehr machen würde.
Nun ja. Hat nicht ganz funktioniert.
Es folgten weitere Verletzungen und Operationen. Bei einem Fahrradsturz riss ich mir einen Teil eines Fingers ab. Später kam die erste komplizierte Hüftoperation. Ein Jahr danach stand ich wieder auf der Matte und machte Wettkämpfe. Ich kämpfte mehrere Jahre für die Schweizer Ju-Jitsu-Nationalmannschaft im A-Kader, bis sich irgendwann die andere Hüfte meldete und meine Kampfsportkarriere vorbei war.
Ich dachte damals, damit sei wohl auch meine Wettkampfzeit beendet.
Ein Jahr später sprang ich für einen verletzten Mountainbiker in einem Gigathlon-Fünferteam ein.
So viel zum Thema Wettkampfkarriere beendet.
Es begann ein neues Kapitel mit Ausdauersport, später Langdistanz- und Xtreme-Triathlons. Stunden auf dem Rad, Pässe, Bergläufe und immer wieder herausfinden, was noch möglich ist.
Diese Welt verstand ich. Und diese Welt konnte ich auch problemlos nach aussen zeigen.
Ich war Sportler. Personaltrainer. Ich arbeitete im Fitnessbereich, bildete andere Trainer aus und liebte es, meinen Körper herauszufordern.
Das war Steve.
Zumindest der sichtbare.
Das andere Leben begann ebenfalls schon lange
Mit ungefähr 22 Jahren machte ich meine erste mediale Ausbildung.
Danach kamen Geistheilung, Tierkommunikation und vieles mehr dazu. Ich wollte verstehen, was da in mir schlummerte und weshalb sich manches wieder so vertraut anfühlte.
Nur eines war für mich völlig klar:
Damit gehe ich nicht nach aussen.
Denn in meinem damaligen Weltbild konnte ein Leistungssportler nicht gleichzeitig spirituell sein.
Wenn ich diesen Satz heute schreibe, merke ich erst, wie viel er erklärt.
Also machte ich diese ganzen Ausbildungen für mich. Ich beschäftigte mich mit dieser Welt, sammelte Erfahrungen, lernte und entwickelte meine Wahrnehmung weiter. Und gleichzeitig trainierte ich, arbeitete als Personaltrainer und machte Wettkämpfe.
Ich hatte zwei Welten und hielt sie möglichst schön auseinander.
Zumindest versuchte ich es.
Denn schon bald nach meinen ersten Ausbildungen häuften sich Telefonate von Menschen, die eine mediale Sitzung oder eine Heilsession bei mir wollten.
Meine Antwort war jeweils ziemlich klar:
„Das biete ich gar nicht an.“
Und erstaunlicherweise bekam ich immer wieder Antworten in dieser Art:
„Es wurde mir gesagt, dass du so reagieren wirst. Ich möchte trotzdem einen Termin.“
Also begann ich mit Menschen zu arbeiten.
Inoffiziell. Ohne grosse Ankündigung und ohne mich damit irgendwie zu positionieren.
Irgendwann rang ich mich dazu durch, eine solche Session tatsächlich offiziell anzubieten. Aber selbst dafür brauchte ich einen Namen, der für mich irgendwie noch in meine andere Welt passte.
Ich nannte es „Energy Balance“.
Heute muss ich darüber schmunzeln.
Das klang nach Energie, Power und Personal Training und war damit offenbar gerade noch kompatibel mit dem Bild, das ich von mir nach aussen zeigen konnte.
Dabei war dieses Wissen sowieso längst Teil meiner Arbeit.
Es floss in meine Personaltrainings ein, ohne dass ich es benannte. Denn vor mir stand auch damals nie einfach nur ein Körper. Ich nahm wahr, wenn jemand zurückhielt, spürte Widerstände und arbeitete intuitiv mit Dingen, die auf keinem Trainingsplan standen.
Ich glaubte noch immer, meine beiden Welten voneinander zu trennen.
Dabei waren sie längst ineinandergeflossen.
Dann kam die Hypnose
2019 stolperte ich über die Hypnose.
Und hier wird meine eigene Geschichte für mich gerade richtig spannend.
Denn vor ein paar Tagen hätte ich vermutlich gesagt, dass mit der Hypnose langsam meine Öffnung in diese andere Welt begann.
Das stimmt auch irgendwie.
Aber ich habe meinen eigenen Blogartikel von 2019 wieder gelesen.
Und offenbar wusste ich damals schon viel mehr, als mir heute bewusst war.
Meine Hüfte hatte mich kurz vor der Triathlonsaison wieder einmal ausgebremst. Ich strich meine Wettkämpfe und genau in dieser Zeit begann meine OMNI-Hypnosetherapie-Ausbildung.
Ich schrieb damals über die Ausbildung:
„Ich bin angekommen.“
Ich hatte das Gefühl, vieles davon bereits zu kennen und längst im Alltag anzuwenden, ohne es bisher benennen zu können. Steve Husistein
Das ist sieben Jahre her.
Und plötzlich verstehe ich diesen Satz heute anders.
Hypnose hat mir diese Welt nicht eröffnet.
Sie gab mir eine Sprache für etwas, das längst da war.
Unterbewusstsein, Trance, innere Bilder, Vorstellungskraft. Damit konnte ich arbeiten und darüber konnte ich sprechen. Das war erklärbar und für mich offenbar die perfekte Brücke, um mich langsam mit mehr von mir nach aussen zu wagen.
Und während genau dieser Ausbildung kam noch etwas zurück.
Mein Drache.
Avantador
Während einer Hypnosesession fand ich mich in einer riesigen Höhle über einem Bergsee wieder. Dort tauchte ein Drache auf.
Und plötzlich erinnerte ich mich.
Ich kannte ihn längst.
Schon während meiner ersten mentalen Trainings im Ausdauersport hatte mich ein Drache begleitet. Besonders auf langen Bergstrecken mit dem Velo oder beim Trailrunning war er da. Irgendwann konnte ich in Gedanken sogar vom Rad steigen, mich auf ihn setzen und mich selbst von oben beobachten.
Dann verschwand er irgendwann wieder aus meinem Leben.
Stress. Arbeit. Druck.
Ich hatte ihn schlicht vergessen.
Bis er 2019 während dieser Hypnosesession wieder vor mir stand. Genau das habe ich damals selbst aufgeschrieben. Und ich schrieb auch, dass mit seiner Rückkehr mediale Fähigkeiten wieder auftauchten, die ich lange verdrängt hatte. Steve Husistein
Wenn ich diesen alten Text heute lese, bekomme ich fast Hühnerhaut.
Denn schon damals schrieb ich sinngemäss, dass nun ein Abschnitt meines Lebens beginne, in dem ich diese Fähigkeiten nicht mehr verdrängen möchte. Steve Husistein
Offenbar begann ich damals tatsächlich, die Tür aufzumachen.
Aber ich glaube nicht, dass ich verstanden hatte, wie lange ich sie vorher geschlossen gehalten hatte.
Und das Bild mit meinem Drachen trifft mich heute nochmals ganz anders.
Ich dachte so lange, dass es den Leistungssportler gab und daneben diese andere, spirituelle Welt.
Dabei sass ich ausgerechnet während meiner extremen sportlichen Belastungen auf meinem Drachen und schaute mir selbst beim Radfahren zu.
Wie viel deutlicher hätte es eigentlich noch sein müssen?
Mein Körper hatte allerdings auch noch einiges vor
Während ich langsam begann, mehr von mir zu zeigen, blieb mein Körper ein ziemlich konsequenter Begleiter.
2020 war ich beim Trailrunning in den Bergen unterwegs. Auf losem Schotter rutschte ich kurz weg, fing mich mit dem rechten Bein auf und wusste sofort: Da ist etwas richtig kaputt.
Mein Rectus Femoris war komplett abgerissen.
Noch am Berg ging ich in Selbsthypnose, regulierte damit meine Schmerzen, tapte meinen Oberschenkel und schaffte es irgendwie ohne Helikopter runter zur Bannalp. Später stellte sich heraus, dass der Muskel an einer Stelle gerissen war, an der er nicht mehr sinnvoll angenäht werden konnte. Also hiess es wieder einmal akzeptieren, neu aufbauen und lernen, mit einer veränderten körperlichen Situation umzugehen. Steve Husistein
Und gleichzeitig lief bereits eine ganz andere Geschichte.
Mein Herz.
Im Frühling 2020 merkte ich erstmals, dass etwas nicht stimmte. Zunächst standen Panikattacken als Erklärung im Raum. Das erschien in der damaligen Situation sogar plausibel.
Also machte ich weiter.
Nur wurde aus Trailrunning irgendwann Wandern. Aus Wandern wurden Spaziergänge. Die Treppe zu meiner Dachwohnung brachte mich teilweise derart ausser Atem, dass ich mich irgendwo abstützen musste, um nicht zusammenzubrechen.
Nach einer Bergtour kollabierte ich schliesslich zuhause.
Es dauerte, bis klar wurde, dass tatsächlich mein Herz das Problem war. Die Rhythmusstörungen wurden immer heftiger und ein Jahr nach den ersten Symptomen sollte eine Ablation gemacht werden. Steve Husistein
Und dann passierte etwas, das ich heute ebenfalls mit anderen Augen sehe.
Ich kam entspannt ins Spital. Während ich auf die OP wartete, machte ich Selbsthypnose und meditierte.
Dann wurde ich in den OP geschoben.
Alles war bereit.
Nur meine Rhythmusstörungen waren weg.
Der Arzt stand irgendwann vor mir und fragte mich, ob ich sie willentlich ausschalten könne.
Sie versuchten, die Störungen wieder auszulösen. Medikamente, Belastung, Musik. Nichts funktionierte.
Ich war komplett heruntergefahren.
Ohne Rhythmusstörungen konnte die geplante Ablation nicht durchgeführt werden und irgendwann wurde ich wieder nach Hause geschickt. Steve Husistein
Zwei Tage später waren die Störungen wieder da.
Ich jagte mich am Morgen sogar noch selbst das Treppenhaus hoch und runter, damit sie ja nicht wieder verschwinden würden. Diesmal kamen sie mit einer Heftigkeit zurück, die mich regelrecht zusammenbrechen liess.
Ich schaffte es irgendwie ins Spital und wurde direkt in den OP gebracht.
Weil verhindert werden sollte, dass ich mich erneut so weit herunterreguliere, musste ich zunächst ohne Selbsthypnose auskommen. Auch auf Schmerzmittel und Narkose wurde zu Beginn verzichtet.
Irgendwann konnte ich nicht mehr.
Ich bekam Medikamente und endlich das Okay, wieder in meine Selbsthypnose zu gehen.
Ich habe 2021 darüber geschrieben, wie in diesem Moment die gesamte Anspannung aus mir herausfiel und wie sehr mich dieses Loslassen berührte. Selbst beim Schreiben des damaligen Blogartikels kamen mir wieder die Tränen. Steve Husistein
Die Ablation konnte durchgeführt werden. Der Herd in der rechten Herzkammer, der die Rhythmusstörungen verursachte, wurde verödet. Steve Husistein
Ich will dieser Herzgeschichte heute keine nachträgliche spirituelle Bedeutung verpassen.
Mein Herz hatte ein medizinisches Problem und dieses wurde medizinisch behandelt.
Aber etwas anderes sehe ich heute.
Da lag der Leistungssportler mit einem sehr realen körperlichen Problem auf dem OP-Tisch.
Und gleichzeitig war dort der Mann, der über Jahre gelernt hatte, mit seinem Bewusstsein und seinem Körper so zu arbeiten, dass es sogar zum Problem für die geplante Untersuchung wurde.
Wieder beide Welten gleichzeitig.
Und ich sah es noch immer nicht.
Vielleicht musste ich immer wieder etwas verlieren
Mein Körper zieht sich durch meine ganze Geschichte.
Knieoperationen, Hüfte, Halswirbel, Bandscheiben, der abgerissene Rectus Femoris, mein Herz und schliesslich zwei künstliche Hüftgelenke.
Ich war immer ziemlich gut darin, danach wieder aufzustehen.
Wenn etwas nicht mehr ging, suchte ich einen anderen Weg. Wenn jemand sagte, etwas werde schwierig, war das für mich meistens eher eine Herausforderung.
Das hat mich weit gebracht und diese Seite gehört zu mir.
Aber heute frage ich mich, ob ich durch all diese Geschichten noch etwas anderes lernen musste.
Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht einfach wieder zurückkämpfen kann?
Ich weiss nicht, ob Verletzungen einen höheren Sinn haben. Und ich mag es nicht, jedem Schicksalsschlag irgendeine spirituelle Erklärung überzustülpen.
Aber ich weiss, was diese Erfahrungen mit mir gemacht haben.
Sie haben mich immer wieder angehalten.
Und jedes Mal fiel ein kleines Stück von dem weg, worüber ich mich vorher definiert hatte.
Vielleicht wurde dadurch irgendwann Platz für mehr von mir.
Und irgendwann konnte ich nicht mehr zurück
Je mehr ich mich mit Hypnose zeigte, desto weiter öffnete sich diese Tür.
Breathwork kam dazu und fühlte sich für mich ebenfalls unglaublich stimmig an. Der Atem verbindet etwas, das ich so lange künstlich getrennt hatte. Er ist zutiefst körperlich und kann gleichzeitig Räume öffnen, die weit über das hinausgehen, was ich mit Kraft, Wiederholungen oder Trainingsplänen erreichen kann.
Auch die schamanische Arbeit bekam immer mehr Raum.
Menschen bezeichneten mich irgendwann als Schamanen.
Ich wollte das lange nicht annehmen und tue es bis heute nicht in dieser Form. Ich bezeichne mich nicht als Schamane. Ich arbeite schamanisch.
Dieser Unterschied ist mir wichtig.
Aber ich verstecke die Arbeit nicht mehr.
Auch verschiedene Erfahrungen mit Pflanzenmedizin haben mir auf diesem Weg geholfen. Nicht indem sie mir gezeigt hätten, wer ich werden soll. Eher indem sie immer wieder etwas freigelegt haben, das längst da war.
Vielleicht sogar etwas von diesem Jungen, der Pflanzen grosszog, mit ihnen sprach und keinen Gedanken daran verschwendete, ob das nun in irgendein Weltbild passt.
Und heute?
Heute arbeite ich noch immer als Personaltrainer.
Ich liebe meinen Körper, Bewegung und Herausforderungen. Ich liebe es, Kraft aufzubauen und herauszufinden, was möglich ist.
Gleichzeitig arbeite ich mit Hypnose, Breathwork, Energie, Ritualen und schamanischen Methoden.
Vor ein paar Jahren hätte ich wahrscheinlich noch versucht, diese Dinge möglichst sauber voneinander zu trennen und jedem einen eigenen Namen zu geben.
Heute ergibt das für mich immer weniger Sinn.
Denn vor mir steht ein Mensch.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, den ich selbst fast 50 Jahre lang nicht verstanden habe.
Ich musste nie vom Sportler zu irgendetwas anderem werden.
Ich musste meinen alten Weg nicht verlassen, um meinen Platz zu finden.
Der Personaltrainer war nie falsch.
Der Leistungssportler musste nicht verschwinden.
Und die spirituelle Seite von mir ist nicht irgendwann später dazugekommen.
Sie waren immer gleichzeitig da.
Ich hatte nur entschieden, welcher Teil von mir öffentlich existieren durfte.
Ich werde 50
Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, sehe ich unglaublich viele Geschichten.
Manche davon habe ich hier im Blog schon vor Jahren aufgeschrieben.
Und das Verrückte ist: Ich lese meine eigenen Texte heute und stelle fest, dass die Antworten teilweise längst darin stehen.
2019 schrieb ich über Fähigkeiten, die wieder erwacht waren und die ich nicht mehr verdrängen wollte. Ich schrieb über meinen Drachen, der mich schon im Ausdauersport begleitet hatte. Steve Husistein
2020 schrieb ich nach dem Abriss meines Oberschenkelmuskels darüber, wieder auf meinen Körper hören zu müssen. Steve Husistein
2021 schrieb ich nach meiner Herzoperation davon, mich daran erinnern zu wollen, wie es sich anfühlt, wieder lebendig zu sein. Steve Husistein
Ich hatte all diese Sätze längst geschrieben.
Ich hatte nur die Geschichte dahinter noch nicht verstanden.
Vielleicht ist das gerade das Verrückteste an diesem Text.
Ich sitze hier kurz vor meinem 50. Geburtstag und erkenne plötzlich, dass ich nicht erst zu dem Menschen geworden bin, der ich heute bin.
Ich war verdammt lange damit beschäftigt, einzelne Teile von mir zuzulassen, wieder wegzuschieben, neu zu entdecken, vorsichtig zu zeigen und ihnen irgendwelche Namen zu geben, mit denen ich leben konnte.
Dabei war das alles längst ich.
Heute steht auf meiner Website ganz selbstverständlich etwas über schamanische Arbeit. Ich begleite Menschen durch Rituale und Transformationsprozesse. Und mit dem Drachenjahr trägt sogar mein Drache, den ich einmal vergessen hatte, den Namen einer ganzen Jahresbegleitung.
Wenn mir jemand vor 25 Jahren erzählt hätte, dass ich das einmal öffentlich auf meine Website schreibe, hätte ich ihn vermutlich für komplett verrückt erklärt.
Heute fühlt es sich nicht mehr verrückt an.
Es fühlt sich eher an, als würde endlich etwas zusammenpassen.
Ich habe vor kurzem gesagt:
Ich werde 50 und habe das Gefühl, mein Leben beginnt erst.
Vielleicht stimmt das gar nicht.
Mein Leben hat längst begonnen. Und wenn ich mir anschaue, was darin alles passiert ist, dann sogar ziemlich ordentlich.
Aber etwas anderes beginnt gerade.
Ich muss nicht mehr entscheiden, welcher Steve sein darf.
Ich muss nicht mehr erklären, wie der Leistungssportler zum spirituellen Menschen wurde.
Denn genau das ist nie passiert.
Gerade scheint der Teil zu beginnen, in dem ich nicht mehr zwei Leben führen muss.